Teamentwicklung

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Was ist Teamentwicklung?

Teamentwicklung ist der Prozess, bei dem Teams zusammenkommen und sich selbst organisieren, um ihre Ziele zu erreichen, indem sie Aufgaben lösen und effektive Beziehungen innerhalb und außerhalb des Teams entwickeln. Ein weit verbreitetes Modell zur Teamentwicklung wurde von dem amerikanischen Psychologen Bruce Tuckman definiert. Seine Arbeit beschreibt die Phasen der Teamentwicklung, die ein Team typischerweise durchläuft:

  • Forming: Die Teammitglieder konzentrieren sich darauf, die Ziele des Teams, die Aufgaben, Prozesse, Regeln und Arbeitsweisen zu verstehen und sich gegenseitig kennen zu lernen. Es kann sein, dass Personen nicht bereit sind, ihre wirkliche Meinung mitzuteilen, aus Angst, andere zu beleidigen oder den Fortschritt zu stören. Während die Teammitglieder ausloten, wie sie zusammenarbeiten können, sind Produktivität und Konflikte oft gering.
  • Storming: Je vertrauter die Teammitglieder miteinander, mit ihrer Arbeit und mit den Erwartungen werden, desto größer werden ihr Vertrauen und ihre Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen. Sie fangen an, Vorgehensweisen, Ziele, die Teamleitung und einander in Frage zu stellen. Konflikte können entstehen, wenn Personen ihre Meinungen austauschen, sich durchsetzen und weniger konfliktscheu werden.  In dieser Zeit kann die Mitarbeiterfluktuation zunehmen, und Produktivität und Leistung können beeinträchtigt werden.
  • Norming: In dieser Phase arbeitet das Team zusammen, um ein gemeinsames Verständnis und eine Einigung über Ziele, Rollen und die Arbeitsweise zu erlangen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern sich, und es herrscht mehr Offenheit zwischen den Teammitgliedern. Produktivität und Leistung steigen.
  • Performing: Ein leistungsstarkes Team zeichnet sich durch ein hohes Maß an Engagement aus und ist stabil, organisiert und effizient in seiner Arbeitsweise. Durch ein gemeinsames Verständnis der Ziele und Beweggründe lässt sich leicht ein Konsens erzielen, und wenn es zu Konflikten kommt, werden diese wirksam gelöst. Ein hohes Maß an Engagement spiegelt sich in hoher Produktivität und Leistung wider, und es fällt leicht, Mitarbeiter:innen zu binden und Talente zu gewinnen.

Dieser Prozess verläuft nicht linear, und die Geschwindigkeit mit der die Teams die einzelnen Phasen der Teamentwicklung durchlaufen, wird von vielen Faktoren beeinflusst, z. B. von der Größe des Teams, der Kultur, in der es arbeitet, und seiner Vertrautheit mit der Aufgabe. Teams, die sich in den Phasen Norming oder Performing befinden, können zur Phase Storming zurückkehren, wenn sie mit einer bedeutenden Veränderung konfrontiert werden, wie z. B. neuen Mitgliedern (insbesondere in leitenden Positionen), einer Verschiebung der Ziele/Erwartungen des Teams, der Aufgaben, an denen es arbeitet, und/oder Faktoren außerhalb des Teams, wie z. B. die Organisationskultur, politische, soziale oder wirtschaftliche Fragen. Gezielte Aktivitäten zur Teamentwicklung wie Teambuilding-Veranstaltungen, Sitzungen zur Teamplanung und der Einsatz psychometrischer Methoden zur Entwicklung von Bewusstsein und Verständnis für sich selbst und andere können dazu beitragen, dass Teams schneller die Performing-Phase erreichen.

Wie können Teams erfolgreich entwickelt werden?

In ihrem Buch „The Wisdom of Teams“ definieren Jon Katzenbach und Douglas Smith ein Team als „eine Anzahl von Personen mit einander ergänzenden Fähigkeiten, die sich alle für ein gemeinsames Ziel einsetzen, sich nach gemeinsam entwickelten Arbeitsregeln richten und gemeinsam Verantwortung für ihre Arbeit tragen.“

Durch diese weithin akzeptierte Definition basieren die Ansätze zur Teamentwicklung auf dem Grundsatz, dass effektive Teams:

  • Ein klares, gemeinsames Sinnverständnis und vereinbarte Ziele haben
  • Diese Ziele auf die Bedürfnisse ihrer Stakeholder abstimmen
  • Die Notwendigkeit einer effektiven Zusammenarbeit im Team erkennen, um diese Ziele zu erreichen

Modelle zur Teamentwicklung berücksichtigen sechs miteinander verknüpfte Aspekte der Entwicklung eines Teams:

  1. Individuum
  2. Zwischenmenschliche Aspekte
  3. Team-Beziehungen
  4. Team-Aufgaben
  5. Stakeholder-Schnittstelle
  6. Weiterer Unternehmenskontext

(Systemic Team Coaching: John Leary-Joyce and Hilary Lines, 2018)

Teamentwicklungsmaßnahmen sind darauf ausgerichtet, alle diese Aspekte zu fördern.

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Warum ist Teamentwicklung wichtig?

Erfolgreiche Teams sind diejenigen, die ihre Ziele erreichen, und wenn diese Ziele auf die Ziele des Unternehmens abgestimmt sind, trägt der Erfolg des Teams zum Gesamterfolg des Unternehmens bei. Erfolgreiche Teams zeichnen sich in der Regel durch ein hohes Maß an Mitarbeiterengagement aus und haben es leichter, Mitarbeiter zu binden und Talente für das Team zu gewinnen. Engagierte und zufriedene Mitarbeiter:innen sind produktiver (eine Gallup-Analyse von 1,4 Millionen US-Beschäftigten ergab, dass engagierte Mitarbeiter:innen 22 % produktiver sind als nicht engagierte) und sorgen auch für eine höhere Kundenzufriedenheit (Untersuchungen des Institute of Customer Service ergaben, dass eine Steigerung des Mitarbeiterengagements um einen Punkt zu einer Erhöhung der Kundenzufriedenheit um 0,41 Punkte führt).

Eine Teamentwicklung, die entsprechende gezielte Aktivitäten umfasst, trägt dazu bei, die Effektivität zu steigern, wodurch Unternehmen, die Vorteile hochgradig effektiver Teams für sich nutzen können.

Welche Rolle spielt eine Führungskraft bei der Teamentwicklung?

Der/Die Teamleiter/in hat einen großen Einfluss auf den Erfolg jeder Teamentwicklungsaktivität. Die Teamleitung kann den Erfolg folgendermaßen positiv beeinflussen:

  • Führungskräfte sollten offen und ehrlich über die Arbeit, ihren Zweck und das angestrebte Ergebnis, die Anforderungen an alle Beteiligten (einschließlich der Führungskraft) und den Zeitplan kommunizieren. Die Unterstützung von Debatten und Diskussionen und die Offenheit für Ideen der Teammitglieder tragen dazu bei, dass sich das Team in die Gestaltung bevorstehender Prozesse eingebunden fühlt.
  • Indem Führungskräfte Teil des Entwicklungsprozesses sind, können sie die Lernkultur vorleben, die sie in ihren Teams sehen wollen. Dazu teilen sie ihre eigenen Lernerfahrungen und beschreiben, woran sie arbeiten, warum und wie. Führungskräfte, die offen zugeben, dass sie selbst aus Fehlern gelernt haben, und andere dazu ermutigen, dasselbe zu tun, können ein Klima der psychologischen Sicherheit schaffen. Dort fühlen sich Menschen wohl genug, um Neues zu wagen, Dinge auszuprobieren und aus ihren Erfolgen und Misserfolgen zu lernen.
  • Indem Führungskräfte verstehen, welchen Einfluss sie auf das Team haben, können sie sich einen Einblick davon verschaffen, wie sich ihr Führungsstil in dem von ihnen geschaffenen Klima auf andere auswirkt. So erkennen sie, was sie verändern können, um ein noch positiveres Klima zu schaffen, in dem die Teammitglieder ihr Potenzial entfalten, wachsen und sich entwickeln können.
  • Die Bereitschaft, den Führungsstil flexibel zu verändern, ist eine wesentliche Fähigkeit effektiver Führungskräfte und ermöglicht es ihnen, auf die aktuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen einzugehen und ihren Stil an die jeweiligen Umstände anzupassen.
  • Führungskräfte, die authentisch, offen und konsequent sind und zeigen, wer sie sind und was ihnen wichtig ist, gewinnen das Vertrauen ihrer Teammitglieder. Vertrauen ist eine Schlüsselkomponente für eine effektive Teamentwicklung.
  • Es ist wichtig, die Teamentwicklung als einen Prozess zu betrachten, nicht als eine einmalige Aktivität. Die Erstellung eines Teamentwicklungsplans mit Zielen für die Teamentwicklung, die regelmäßig überprüft und überarbeitet werden, zeigt, dass eine Führungskraft auf kontinuierliche Verbesserung bedacht ist.  Teams entwickeln sich weiter und können aus ihren Erfahrungen lernen, wenn die Teammitglieder ermutigt werden, ihre Erfahrungen regelmäßig zu überprüfen und Erkenntnisse auszutauschen.

Emotionale Intelligenz ermöglicht es den Führungskräften, die Entwicklung ihrer Teams auf diese Weise zu unterstützen. Emotional intelligente Führungskräfte sind sich ihrer eigenen Ansichten und Emotionen bewusst und nehmen eine offene Haltung ein.  Diese persönliche Einsicht hilft Führungskräften, ihre zwischenmenschlichen Qualitäten zu nutzen und wirklich auf ihre Mitarbeiter:innen einzugehen. Dabei müssen sie erkennen, wie es den Mitarbeiter:innen geht, sich ihre Sorgen anhören, sie bei der Anpassung an Veränderungen coachen und auf die Bedürfnisse ihrer Teams eingehen. Durch den Einsatz emotionaler Intelligenz sind Führungskräfte in der Lage, ein Klima des Vertrauens, der Zuversicht und der Befähigung zu schaffen, in dem sich die Mitarbeiter:innen einbezogen und inspiriert fühlen.  Profile der emotionalen Intelligenz bieten wertvolle Einblicke in die Bereiche, in denen Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten bestehen, und helfen Führungskräften, sich auf die Entwicklung praktischer Fähigkeiten zu konzentrieren.

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